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Zum ersten Teil:

Der Bau des 12"-Newtons

Zweiter Teil

Ich hatte beim Bau des Newtons in erster Linie die vorhandenen Komponenten im Originalzustand belassen. Sie stammten von einem GSO-Newton und sollten erst einmal zeigen, wo ihre Schwächen und Stärken lagen. Nach einigen Monaten Benutzung kann ich nun sagen, dass ich fast sämtliche Komponenten verändern, oder sogar komplett austauschen musste. Hier möchte ich diese Schritte nun im Einzelnen beschreiben.

Das Problem, welches sich stellte, war die Stabilität der Justage. Wer fotografisch unterwegs ist, insbesondere mit einer CCD-Kamera, wird wissen was ich meine. Es kam immer wieder vor, dass die Justage innerhalb einer Nacht verloren ging. Und das immer wieder erneute Justieren in einer Folgenacht zeigte deutlich, dass hier Handlungsbedarf bestand.

Die Hauptspiegelzelle

Die eigentliche Spiegelzelle machte einen gut durchdachten Eindruck. Sie komplett auszutauschen würde hier sicher nicht nötig sein. Ein Schwachpunkt ist aber die Anordnung der Zug- und der Druckschrauben. Ich habe mir also drei kleine Aluplatten machen lassen, die von innen in den ringförmigen Rahmen mit je vier Schrauben befestigt werden. In diesen Platten befindet sich nun das Gewinde der Konterschrauben. Dadurch, dass diese Platten direkt über die Verstellschrauben angebracht werden können, befinden sich nun die Zug- und die Druckschrauben eng beieinander. Zuvor bestand zwischen den Schrauben ein Abstand von 60Grad. Temperaturschwankungen konnten dabei leicht zu Verspannungen in dieser Anordnung führen. Der Spiegel selber verspannte sich dabei allerdings nicht.

Hier sieht man den Rahmen mit der Spiegelzelle von innen. Auch die Spiegelauflage selber habe ich gegen Korkplättchen ausgetauscht. Der äußere Ring verbindet die Streben sehr wirkungsvoll. Etwas, was ich für sehr sinnvoll erachte. Die Konstruktion ist leicht und stabil.

 

Hier sieht man nun sehr schön, dass Zug- und Druckschrauben auf jeweils eine Strebe wirken. Außerdem benötige ich zur Einstellung nun kein Werkzeug mehr.

Der Fangspiegel

Auch hier hatte es mich von Anfang an gestört, dass der Spiegelhalter aus Kunststoff gefertigt war. Dabei hatte ich schon zwischen Spiegelhalter und den drei Druckschrauben eine V4A-Scheibe gelegt. Die Schrauben konnten sich also nicht mehr in den Kunststoff eingraben. Ursprünglich also eine absolute Fehlkonstruktion.

Auch der Fangspiegel selber war mit seinen 70mm recht dürftig für eine fotografische Nutzung ausgelegt. Jetzt ergab sich die Möglichkeit, einen neuen 82mm Fangspiegel von Orion England zu bekommen. Ich habe dann gleich Nägel mit Köpfen gemacht, und die Fangspiegelspinne samt Spiegelhalter wurden mit ausgetauscht. Alle Einzelteile der Fangspiegelhalterung sind verstärkt und aus bestem Material gefertigt. Die Streben aus 1mm VA-Stahl und alle anderen Komponenten aus Aluminium. Auch die Druckschrauben sind jetzt ohne Werkzeug bedienbar und drücken auf eine harte VA-Scheibe. Abgerundet wird alles noch durch eine Fangspiegel-Heizung, die durch ein einstellbares Schaltnetzteil in der Leistung regelbar ist. Zurzeit heize ich mit 300 mW.

Die Zuleitung der elektrischen Stromversorgung der Spiegelheizung ist auf die Stirnseiten der unteren Strebe geklebt und an eine Buchse im Tubus angeschlossen.

Die OAZ-Basis

Meine neue CCD-Kamera mit dem größeren Filterrad übt eine nicht unerhebliche Hebelkraft auf die Basis des OAZ am 12er Newton aus. Immerhin hängen  jetzt 2,5 kg am OAZ. Zwar hatte mir ein gut ausgerüsteter Sternfreund schon mal eine passende Basis nach seinen Möglichkeiten gebaut, aber ich hielt sie noch immer für unzureichend die Hebelkräfte ausreichend in den Tubus zu übertragen.
Jetzt habe ich eine Firma gefunden, die mir nach meiner Zeichnung eine deutlich größere Basis mit Hilfe einer CNC-Fräse fertigen konnte.
Jetzt ist die Basis montiert und ich bin damit sehr zufrieden.
Ich hatte den Tubusradius auf einen halben mm genau angegeben und entsprechend genau legt sich die Rundung an den Tubus.

Zu beziehen sind derartige Artikel, die nicht selten in Einzelanfertigung erstellt werden, von der Firma: Kessler Modellbau in 87700 Memmingen. Inhaber ist  Jürgen Kessler, der auch in den Astroforen bekannt ist.

Der Preis für diese OAZ-Basis wurde von Jürgen Kessler scharf kalkuliert und mit 179,-€ inkl. MwSt. ist man dabei. Ich könnte mir vorstellen, dass bei Zusammenschluss mehrerer Interessenten die Fertigung auch noch etwas günstiger realisiert werden könnte.

Als Fazit kann ich sagen, dass diese neue Basis auf einfache Weise die Stabilität meines OAZ enorm vergrößert hat.

 

Eine einfache Skizze der neuen Basis mit den Maßen für den 12-zöller

(das wichtigste Maß ist natürlich der Radius)

 

Die verstärkende OAZ-Basis

 

Die neue Basis passt perfekt an den Tubus.

 

Meine Umbaumaßnahmen sind damit abgeschlossen und ich bin guter Dinge, künftig deutlich weniger Probleme zu haben. Ob nun wirklich jede der Maßnahmen notwendig war, ist natürlich schwer zu sagen. Man investiert sicher auch manches dabei auf reinen Verdacht hin. Der erste Test zumindest sah sehr hoffnungsvoll aus.

Grasberg / Otterstein im September 2009