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| Erfahrungsbericht zum William Optics FLT 110
Um meine fotografischen Möglichkeiten im mittleren Brennweitenbereich auszuweiten, habe ich meine Ausrüstung um eine sinnvolle Erweiterung ergänzt. Hier meine Überlegungen dazu und die dabei gemachten Erfahrungen. Der große 12-Zoll-Newton deckt den langbrennweitigen Bereich ab. Um aber auch größere Objekte aufnehmen zu können benötige ich etwas mit entsprechend weniger Brennweite. Meinen 10-Zöller hatte ich bereite verkauft. Dann hatte ich noch den 8-zölligen Newton mit 880mm Brennweite. Der wäre eigentlich schon das Richtige gewesen. Wenn ich den aber mit dem Paracorr verwende, komme ich auf etwas über 1000mm Brennweite. Und damit ist er auch wieder nichts was die Brennweite nach unten abrundet. Außerdem könnte ich den verhältnismäßig großen Newton nicht so einfach parallel zum 12er montieren. Und die beiden immer zu tauschen fällt auch aus. Den großen und schweren 12er nimmt man nicht einfach so mal eben ab. Ich möchte beide Optiken gemeinsam montieren und jederzeit zur Verfügung haben. Es kam daher nur ein Refraktor in Frage. So viel zu den Vorüberlegungen. Die Firma Astroprofessional brachte pünktlich zu Weihnachten einen 100mm ED raus. Der, und einige gleiche Geräte, die nur unter anderem Namen in großer Zahl auf dem Markt erschienen, versprachen einiges. Ich hatte mir also so einen 100-ED zu Testzwecken kommen lassen und machte ein paar Versuche damit. Die Geräte wurden und werden zu äußerst günstigen Preisen angeboten. Leider war die Qualität entsprechend. Visuell erschien mein Testgerät farbrein. Fotografisch sah die Sache anders aus. Da war die Sternabbildung….wie soll ich’s sagen…..merkwürdig. Helle Sterne zeigten starke Beugungserscheinungen. Und am Rand war deutliche Koma zu sehen. Zusammen mit meinem 0,8-fach Reducer / Flattner von William-Optics wurde diese Koma noch schlimmer. Das war also nichts. Schade, bei dem Preis wäre er ein Schnäppchen gewesen. Wenn man von dem äußerst preisgünstigen “Orion 80ED“ verwöhnt ist, mag man durchaus an eine gute und dennoch preisgünstige Optik in dieser Öffnungsklasse glauben. Aber der 80ED (Volksapo) ist einfach ein Sonderfall. Wenn den nicht schon fast jeder hätte, wäre er immer noch ein Geheimtipp. Ach ja, getestet hatte ich hauptsächlich fotografisch. Visuell fiel mir nichts Negatives auf. Wer also einen farbreinen günstigen ED-Refraktor anschaffen möchte und vorwiegend visuell beobachtet, ist mit diesem 100ED vielleicht gut bedient. Aber wie gesagt, wirklich gründlich getestet habe ich fotografisch. Und natürlich kann mein Testgerät von der sonst guten Serie abgewichen sein. Die Verarbeitung des Tubus und auch der OAZ machte auf jeden Fall einen ausgezeichneten Eindruck. Nun hatte gerade vor etwa einem Jahr die Firma William Optics ihre neue FLT-Serie herausgebracht. Einmal den 110mm und als das Flaggschiff den 132mm dreilinsigen Fuorid-Apo. Der FLT 110mm würde mit seinen 770mm Brennweite genau das abdecken, was ich mir wünschte. Dazu kam eine ausgezeichnete Ausstattung wie drehbarer OAZ mit 4“ Durchmesser und gehärteten Laufflächen. Das Ganze in einem guten Koffer verpackt. Ich entschied mich also dafür. Nun geht leider nichts so glatt wie man es sich wünscht. Aber der Reihe nach: Der Refraktor wurde schon eine Woche nach der Bestellung geliefert. Der Tubus, die Mechanik und überhaupt die ganze Verarbeitung des Gerätes machten einen sehr überzeugenden Eindruck. Alles läuft sauber, präzise und leichtgängig. Für die Montage hatte ich bereits eine Montageplatte vorbereitet. Der große Newton und der Refraktor konnten nun also gemeinsam montiert werden. Zwei Tage später konnte ich den ersten Test durchgeführen. Ich wollte kurze Belichtungssequenzen mit meiner Atik 16HR in Luminanz aufnehmen. Auf Guiding hatte ich bewusst verzichtet. Bei 770mm Brennweite ist mit keinen Nachführfehlern zu rechnen. Schon gar nicht bei kurzen Belichtungszeiten unter einer Minute. Im Wesentlichen wollte ich aber verhindern, dass der OAG mit seinem Prisma Beugungserscheinungen bewirkt. Den speziell für den FLT gerechneten Flattner von TMB hatte ich dabei noch nicht verwendet. Orion stand günstig, also habe ich M42 angepeilt. Mir fiel auf, dass man Sterne nicht so fein fokussieren konnte, wie ich es von meinem 80ED gewohnt war. Am 80ED dann allerdings mit Reducer / Flattner. Ich hatte daraufhin meinen vorhandenen 0,8-fach Reducer / Flattner von William-Optics angesetzt. Und tatsächlich, jetzt ließ sich sogar ungewöhnlich fein fokussieren. Sofort fiel mir der hohe Kontrast auf. Bei etwas Bearbeitung hätte man aus diesen kurzen Sequenzen schon etwas machen können. (15s und 30s Belichtungszeit) Nun aber zu dem Problem: Alle hellen Sterne erschienen dreieckig. Ich hatte versucht neu zu fokussieren, aber immer wurden die Sterne dreieckig. Nun gut, ich hatte ja den 4“ TMB-Flattner mitbestellt. Vielleicht sind ja nur mit diesem wirklich saubere Abbildungen möglich. Das Ergebnis war enttäuschend. Auch jetzt wurden alle hellen Sterne dreieckig. Mir fiel noch auf, dass diese dreieckigen Sterne im gesamten Bildfeld gleichmäßig verteilt waren. Beim nächsten Versuch habe ich den OAZ um 180Grad verdreht. Jetzt kehrten sich die dreieckigen Sterne auch um 180Grad um. Der Nachweis, dass der vermeintliche Fehler im Objektiv zu vermuten war. Erster Test
Zweiter Test mit um 180 Grad gedrehtem OAZ
Ich denke, die dreieckigen Sterne sieht man deutlich!!! Das Gerät nun einfach zurückzuschicken erschien mir nicht der richtige Weg. Ich habe also mit dem Händler Kontakt aufgenommen und es wurde vereinbart, das Gerät zu Wolfgang Grzybowski vom Astrophysikalischen Institut in Tübingen zu schicken. Wolfgang Grzybowski kann sicher als einer der “Optik-Päbste“ in diesem Land bezeichnet werden. Wolfgang stellte Astigmatismus fest und korrigierte diesen Fehler. Eine Verspannung, wie zu Anfang von allen vermutet wurde, konnte er ausschließen. Ein paar Tage später war das Gerät wieder bei mir. Ich war also guter Dinge. Denn lieber ist es mir ein Gerät zu haben welches wirklich passt, als ein Tauschgerät mit einem womöglich anderen Fehler. Der erneute Test sollte es zeigen. Natürlich würde ich jetzt noch etwas genauer hinsehen. Und was soll ich sagen,…..ja zum Teufel,….die Sterne waren noch genauso dreieckig wie zuvor. Was ist da denn bloß los?? Es gab keine andere Lösung; der Refraktor musste nun doch getauscht werden. Ich möchte an dieser Stelle nun doch den Händler erwähnen. Ich hatte in München bei TS bestellt. Und ich muss wirklich sagen, dass Wolfgang Ransburg von Anfang an meine Probleme ernst nahm. Ich wurde nicht abgewimmelt und er hatte immer das Bestreben eine für mich als Kunden gute Lösung zu finden. Herzlich Dank dafür Wolfi!!! Warum weder auf der optischen Bank bei Wolfgang Grzybowski noch auf der bei TS in München dieser Fehler nicht nachweisbar war, müsste mal untersucht werden. Ich denke, dass dieser Fehler nur in Verbindung mit einem Flattner auftritt. Denn rein visuell konnte ja auch ich keinen Fehler erkennen. Nicht mal den Astigmatismus der bei Wolfgang Grzybowski in Tübingen erkannt und beseitigt wurde. Nun gut, inzwischen wurde mir ein anderes Gerät zugeschickt. Auch damit konnte ich inzwischen einige Tests durchführen. Und ja, jetzt sieht es gut aus. Schon die erste kurze Testaufnahme sah sehr hoffnungsvoll aus. Auch diesen ersten Test habe ich ohne Guiding durchgeführt. Ich habe also auf den sonst benutzten OAG verzichtet. Als Nächstes kam nun der OAG dazu. Damit wurde der Abstand Flattner-Chipebene um 25mm verlängert. Auch in dieser Anordnung waren die Sterne schön punktförmig. Danach machte ich einen Test mit um 90 Grad gedrehtem OAZ. Auch hierbei waren keine negativern Erscheinungen feststellbar. Testobjekt war übrigens wieder M42. Ich hatte dann eine kleine Serie mit 60s ohne Guiding aufgenommen. Die Sterne blieben punktförmig über das gesamte Bildfeld und man konnte schon an den Rohaufnahmen einen erfreulich guten Kontrast feststellen. Erwähnen muss ich noch, dass ich den TMB-Flattner behalten hatte und nun auch wieder an dem neuen Gerät verwendete. Und das eben ohne Probleme. Ein weiterer Nachweis, dass der Fehler im Objektiv des getauschten Gerätes liegen muss.
Aufnahmen mit dem neuen William M42: Summe aus 4x 60s ohne Guiding
M42: Summe aus 4x 60s ohne Guiding, OAZ um 90 Grad gedreht
Die erste richtige Testaufnahme war dann die Galaxie M94. Jetzt natürlich mit OAG und Guiding. Zwar waren die Wetterbedingungen dabei nicht gerade optimal, aber da ich zwei verschiedene Nächte nutzen konnte, kam dann doch ein brauchbares Ergebnis zustande. Die Einzelheiten, die ich bei dieser Aufnahme herausarbeiten konnte, stimmten mich nun aber doch sehr zufrieden. Die Optik entspricht meinen Erwartungen. Farbrein ist der FLT schon mal auf jeden Fall. Besonders beeindruckend finde ich aber die Schärfeleistung dieser ja eher bescheidenen Öffnung. Zumindest für Jemanden, der an die Fotografie mit großen Öffnungen gewöhnt ist.
Erste lang belichtete Aufnahme (M94)
Der 12" Newton und der 110mm William Optics FLT 110
Um ein endgültiges Fazit zu ziehen, ist es noch etwas früh. Ich bin aber dennoch sicher, dass dieses Gerät meine Erwartungen erfüllen wird. Es zeigt natürlich auch, dass man schon genau hinsehen muss, um letztendlich auch das zu bekommen, was man erwarten darf. Eine Schuldfrage stellt sich für mich nicht. Bestenfalls muss man der Firma William Optics vorwerfen, keine ausreichende Endkontrolle zu betreiben. Wenn aber auf den optischen Bänken von zwei unabhängigen Testern keine Auffälligen Erscheinungen zu bemerken sind, möchte ich auf jeden Fall den Händler nicht als Verantwortlichen sehen. Sicher muss man überdenken, wie eine Prüfung aussehen sollte, wenn es um ein Gerät geht, welches vorwiegend zur fotografischen Nutzung angeboten und verkauft wird. Vielleicht können ja meine gemachten Erfahrungen zu einer besseren Beurteilung in solchen Fällen beitragen. Grasberg/Otterstein im März 2008
Kamera, Filterrad, Reducer / Flattner und OAG am FLT 110
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